Es sind die Lebenden, die den Toten die Augen schließen.
Es sind die Toten, die den Lebenden die Augen öffnen.

Mit diesem alten slawischen Sprichwort begrüße ich Sie herzlich, hier vor dem Ehrenmal unserer alten Stadt Orsoy.

Wie passt das zusammen, unsere Erwartung auf ein hoffentlich fröhliches und ausgelassenes Fest und diese Minuten der Besinnung und des Gedenkens an unsere Verstorbenen ?

Ist es nur ein traditioneller Brauch, den wir mit Uniformen und Großen Zapfenstreich pflegen ?

Nein, es gehört zu unserer Kultur, nicht nur bei Schützenfesten an verstorbene Verwandte, Freunde , Kollegen, Nachbarn zu denken, über sie zu sprechen und damit einzubinden in unsere Gemeinschaft.

Nach einer Zeit der Trauer bleibt immer die Erinnerung und ein oft genanntes Zitat sagt, das Schönste, was ein Mensch hinterlassen kann, ist ein Lächeln im Gesicht derjenigen, die an ihn denken.

Das ist es, was uns hier und jetzt zusammenführt – daran zu denken, wie glücklich und fröhlich wir mit unseren Verstorbenen gelebt und Schützenfeste erlebt haben.

Wenn uns heute die Frage gestellt wird, nenne die letzten 5 Friedensnobelpreisträger oder wer waren bei den letzten 5 Olympiaden die Sieger im 100-Meter-Lauf – wir werden keine vollständigen Antworten haben.

Applaus geht vorbei, Pokale verstauben, Gewinner sind bald vergessen.

Wenn wir aber gefragt werden: nenne einen Verwandten, der Dir in der Stunde der Not geholfen hat, nenne einen Schulkameraden mit dem Du die erste Zigarette geraucht hast, nenne Personen, mit denen Du gerne Deine Zeit verbringst – es wird einfacher zu beantworten sein.

Die Menschen, die uns etwas bedeuten, sind nicht die Besten , haben nicht das meiste Geld und nicht den größten Preis gewonnen, es sind Verwandte und Freunde, die sich um uns kümmern, die was immer auch passiert, zu uns stehen.

Und so waren auch die Menschen, deren wir heute gedenken. Sie hatten ihre Fehler und Eigenheiten – aber sie bleiben unvergessene Begleiter unseres Lebens , sie haben Spuren ihres irdischen Daseins hinterlassen.

Es sind die Toten, die den Lebenden die Augen öffnen.

Das ist es , was wir beherzigen müssen.

Wir sind aufgefordert Spuren zu hinterlassen, in dem Bewusstsein, dass wir irgendwann, vielleicht auch schon in zwei Jahren, nicht mehr hier stehen.

Wenn Xavier Naidoo singt: „Dieser Weg wird kein leichter sein Dieser Weg wird steinig und schwer.

Nicht mit vielen wirst Du Dir einig sein, doch dieses Leben bietet so viel mehr“ meint er doch, wir dürfen nicht immer den einfachen Weg gehen, wir müssen Hindernisse auch für andere überwinden .

Wir können nicht immer alle einer Meinung sein, wir müssen dies aber täglich akzeptieren.

Und unser Leben sollten wir wie ein Theaterstück ausrichten – es kommt nicht darauf an, wie lang es ist, sondern wie bunt und vielfältig für uns selbst und unsere Mitmenschen.

Wenn wir jetzt an unsere dem Bürgerschützenverein verbundenen Personen erinnern, wird uns noch einmal die Vielfältigkeit und Besonderheit dieser Menschen bewusst.

Wir erinnern an Gertrud Bergmann, sie war unsere Schützenkönigin 1953 und im Kreise der Königinnen die Queen Mum.

Wir erinnern an Josef Devers, er war 20 Jahre unser Präsident, der Deichgräf von Orsoy Ein Niederrheiner , der durch sein Tun und Handeln in Orsoy Spuren hinterlassen hat.

Wir erinnern an Gerhardt Fingel, wenn er gemessenen Schrittes am Schützenfestmontag zum Gewehr ging, den Holzadler im Blick, konnte man erwarten, Gerd wird wieder einen Preis holen.

Wir erinnern an Heinz-Wilhelm Funck, unser Kinderschützenkönig 1959 er stand uns als Zeltkassierer lange zur Verfügung und er war das, an was sich viele in Orsoy erinnern, er war hilfsbereit und Unterstützer bei behördlichen Formalitäten

Wir erinnern an Franz Gallach, auch er stand lange Jahre an der Zeltkasse und in Zeiten Orsoyer Volksschulen sorgte er mit dafür, dass die Schulklassen in das Schützenfest eingebunden wurden

Wir erinnern an Wilhelm Hoendrop, 2005 konnte er noch seine 50jährige Mitgliedschaft im Verein feiern, bis zuletzt trug er die Uniform des Fahnenoffiziers.

Alfred Kubik, wer seinen Humor erlebt hat, wird immer Fred mit schnellen Bewegungen in Erinnerung haben. Von ihm kam bei der Neuanlage des Friedhof Bendstege der Spruch, wir bekommen in Orsoy einen Golfplatz, zwei Löcher sind schon da.

Wir erinnern an Heinz Mertens, der Neger war 1965 Minister des Vereins und immer für einen Spruch beim Fußball oder im so genannten offenen Büro hier gleich gegenüber gut. Seine kurze und unheilbare Krankheit hat so manchen leider sprachlos gemacht.

Wir erinnern an Helmut Mom , er wird wohl heute oben bei vielen anderen Orsoyern sitzen und die Zeitmessung für die himmlischen Heerscharen koordinieren und am Sonntag auf den Fußballplatz herabschauen und sich an seine Zeit als Spieler des SV Orsoy in der 1 .Kreisklasse erinnern.

Wir erinnern an Hilbert Peist, es war sein fester Wille und eine starke Energie, die in trotz schwerer Krankheit das Fest 2005 noch erleben lies. Er konnte jeden Baum und Strauch bestimmen, die Liebe zur Natur haben ihm immer Kraft gegeben.

Wir erinnern an Hermine Schellöh, eine resolute, über Parteigrenzen hinaus akzeptierte Vertreterin Orsoyer Interessen im Rat, unsere Schützenkönigin 1981 war auch die Verfechterin des Heimatkundegedankens für unsere jüngsten Mitbürger

Wir erinnern an Heinz-Dieter Seemann, für viele der Mann von der Heißmangel, aber die Gestaltung seines Vorgartens , seine schreinerischen Arbeiten im Haus und die Liebe zu den bayerischen Alpen haben ihn und seine Umgebung geprägt.

Karl-Heinz Skutnik, der Mitbegründer der Chorgemeinschaft, ein streitbarer Christ, für viele meiner Generation war er der Nikolaus, der uns aus dem goldenen und manchmal auch aus dem schwarzen Buch den Spiegel vorhielt.

Wir erinnern an Rudolf Surkamp, er war Rolf in der Mannschaftsaufstellung, wir nannten in Gummi und er war bis zu seinem plötzlichen und frühen Tod seiner Heimatstadt verbunden. Dies haben die vielen Orsoyer, die ihn auf seinem letzten Weg in Walsum begleitet haben, eindrucksvoll gezeigt.

Liebe Schützenbrüder und Orsoyer Mitbürger, sehr verehrte Gäste, in unserer abendländischen Kultur gibt es nach meiner Meinung nur eine gemeinsame Aktion, die das Erinnern an die Toten und die Ermahnung an die Lebenden, unabhängig von Konfessionen und persönlichen Glaubensrichtungen zusammenschließt. Es ist das, was wir alle bereits früh als Kinder gelernt haben, es ist das Vater Unser. Und da wir als Kinder uns den Herrgott immer als alten Mann vorgestellt haben, bitte ich Sie alle, sprechen wir gemeinsam so, dass es der alte Herr da oben auch hört: Vater unser im Himmel