Weihnachtsgruß 2010
Bald ist schon wieder Ostern
Also ich sage Ihnen, son Jahr.
Also voriges Jahr dat war ja schon nicht auszuhalten.
Aber dies Jahr geht noch schneller um als voriges Jahr.
Also die Raserei von einem Tach zum anderen und schon is de Monat schon wieder futsch ne.
Wat meinen Sie wie schnell wer wieder Ostern haben und wenn Ostern mal vorbei ist, dann geht et ja ruckzuck dem Ende zu, dann kommt der Sommer.
Un dann hamwer bald schon wieder Weihnachten.
Also für mich müßte dat alles eigentlich gar nicht sein, de ganze Jahreszeitenkram.
Un dann muß man sich immer wat anderes anziehen un die Natur is ja auch nich mehr so wie früher.
Is doch alles künstlich heutzutage, un ich bin immer für das Natürliche gewesen.
Un die ganzen Ausflüge dann immer.
Un dann fahren se alle auf einmal Ski un brechen sich de Knochen, is doch wahr.
Ich hab noch keinen pensionierten oder passionierten Skiläufer gesehen, der sich nicht wenigstens einmal de Knochen gebrochen hätte, oder mindestens einen Zeh, mindestens.
Un die liegen dann ja oft sechs bis acht Wochen in Gips.
Un dann is Frühling.
Da gehen se all vor de Tür, wie die Verrückten.
Un dann kommt noch inne Politik wat dazwischen, dat man sich ständig ärgern muß.
Ich hab ja damit Gott sei dank nix zu tun, Gott sei Dank !
Die wissen doch im Sommer schon nicht mehr, wat se im Frühjahr gesacht haben.
Nee also, mein Frau die is auch in so einem politischen Frauenverein.
Von welcher Partei weiß ich gar nicht mal.
Ich sach immer, laß se ma ruhig dahin gehen, kann se sich wenigstens die Zeit vertreiben.
Un dann nimmt se immer unser Enkelkind mit und dann haben die beiden en Spaß wenn se nach Hause kommen.
Un so geht de Sommer auch schön vorbei.
Un dann fahren se wieder all weg bis Gott weiß wohin.
Nebenan bei uns die Dickmanns, die sind voriges Jahr inne Taiga gewesen.
Ich sach, watt wollt ihr denn inne Taiga ?
Ja wissen se eigentlich auch nicht.
Aber sacht sie, da soll die Welt noch in Ordnung sein, noch so wie früher, Früher, datt gibbet doch gar nicht mehr.
Früher, da hätten se mir zu Hause die Taiga links un rechts um die Ohren gehauen.
Dat is aber auch nur um die Zeit totzuschlagen, bei den Dickmanns.
Un grad de Sommer, de hat ja kaum angefangen, da is de doch schon wieder auf und davon.
Deswegen verreis ich ja auch nicht, un wenn, dann selten.
Weil ich immer schon auf de Hinfahrt an de Rückfahrt denke.
Sollze mal sehen, in ein paar Tagen musse schon wieder zurück.
Un im Flugzeug, da sieht man dann de ganze Kram nochmal von der anderen Seite.
Wie hat doch de Dingens, de Goethe damals gesagt: verweile doch verweile doch, du bist so schön.
So ähnlich hat er glaub ich gesacht.
De Augenblick de soll also nicht vergeh un nach dem Augenblick hamwer schon Herbst.
Un de Herbst, der is ja dann praktisch schon, womma sagen, da wird ja dann praktisch meist schon de Weihnachtsmarkt aufgebaut un jeder sacht wieder: das Jahr is rumgegangen wie nix.
Ja also mehr is dat ja auch eigentlich nicht.
Un wenn wir nicht ständig wat machen würden, sagen wer mal auch beruflich und uns ablenken, dann wär dat schon ziemlich albern.
Ganz abgesehen davon, dat es sehr schnell vorbeigeht –sehr schnell.
-frei nach Hanns Dieter Hüsch *6.Mai 1925 +6.Dezember 2005-
EIN FROHES WEIHNACHTSFEST UND EINEN
GUTEN RUTSCH IN EIN
GESUNDES NEUES JAHR WÜNSCHT
Karl Hoffmeyer
Präsident