Kommen Sie gut nach Hause
von Heinz van de Linde über einen Schützenbruder
Ich stehe vor der Alt-Orsoyer Schänke.
Hier hat Hugo Kersken Pils gezapft,
auf Deuwelkommraus, wenn die Jäger da waren
und die Strecke versoffen
und sich die Jagddönekes erzählten.
Einen Hasen nach dem anderen
haben sie versoffen.
Hase gegen Pils.
Hugo Kersken hat das Spielchen mitgemacht,
und die Hasen türmten sich hinter der Theke.
Friedchen, Hugos Frau, wusste, was auf sie zukam:
Große Kasserollen mit Hasenpfeffer, niederrheinisch,
in dunkler Soße mit Rübenkraut
und Berge von Rotkohl mit Äpfeln.
Das landete dann auf der Speisekarte.
Und von überall her kamen die Leute,
aus Moers und Homberg
und vonne gönnd Sitt,
von der anderen Seite des Rheins,
wo die Hasen wohl nicht so zahlreich waren.
Wenn dann noch Aal in Gelee oder gebraten
auf der Karte war,
dann sprach sich das rum in Nullkommanix.
Und Hugo konnte mit dem Pilszapfen nicht nachkommen.
Dann rückte er immer an seiner Brille zwischen dem Zapfen
und die Zigarre wanderte von einem Mundwinkel zum anderen
und wieder zurück.
Ohne eine Hand zu gebrauchen.
Wenn dann die Herrschaften satt waren und gingen,
ließ Hugo alles stehen und liegen
und stellte sich neben die Theke
und stand stramm und verbeugte sich
und sagte: " Kommen Sie gut nach Hause."
" Grüßen Sie auch Ihren Hasso. "
(Das war für die Hundebesitzer.)
Stil hatte das noch und Form
Das findet man doch gar nicht mehr,
auch damals nicht überall.
Vielleicht kamen die Leute grade deswegen,
Deswegen und wegen Hasenpfeffer und Aal in Gelee.
Als Hugo älter wurde,
so über die Siebzig,
Als das Rheuma ihn kleiner machte
und die Finger krumm,
und er so ein bisschen an sein Ende dachte,
da fing er an Biermarken auszugeben,
Anzahl nach Höhe der Zeche.
Für die Nachfeier,
aber für den schönen Schaum auf dem Pils
könnte er dann nicht mehr garantieren,
sagte er.
Das mit den Biermarken sprach sich rum
und der Stammtisch war immer voll.
Aber der mit den meisten Biermarken in der Tasche,
der schon von der Nachfeier mit Freibier und Korn
geträumt hatte nach Hugos Beerdigung,
den hat der Herrgott noch vor Hugo geholt,
mit vielen Biermarken in der Tasche.
Da kennt er kein Pardon.
Und sollte oben im Himmel eine Jagdgesellschaft
mal nach Pils rufen und Hasenpfeffer oder Aal in Gelee,
dann würde Hugo nicht lange fackeln
und zapfen und servieren, was das Zeug hält,
wie in alten Tagen.
Und mit Grandezza würde er die Gäste verabschieden:
" Kommen Sie gut nach Hause
und grüßen Sie Ihren Hund,
wenn´s kein Höllenhund ist. "
Grinsen würde er dabei und sich leicht verbeugen,
wie damals.
8. Januar 2005
Heinz van de Linde